Zeigt her eure Speisekarten – zeigt her eure Kochseele

Ein Restaurantbesuch ist ja immer ein besonderes Erlebnis. Auch wenn ich in manchen Wochen beinahe täglich in den einem oder anderem Gasthaus, dem Restaurant oder auch dem Imbiss esse, wenn ich ein neues Lokal besuche und das erst Mal deren Speisekarte zu Gesicht bekomme, dann entsteht im Vorfeld ein leichtes Kribbeln. Vielleicht wurde mir das Lokal von Freunden empfohlen und ich habe schon eine gewisse Erwartung oder weiß auch in etwas, was ich auf der Karte finden werde. Vielleicht handelt es sich aber auch um einen dieser neuen und modernen Ethno Tempel und ich kann im Vorfeld noch gar nichts abschätzen. Doch sobald ich die Speisekarte das erste Mal in den Händen halte, kurz durchblättere und einen kurzen Blick darauf werfe, kann ich bereits gut beurteilen, worum es in diesem Lokal geht, oder auch, mit wie viel Herzblut man hier an die Sache ran geht.

Speisekarten müssen Kreativ sein

Das ist nun vielleicht etwas hart ausgedrückt und mag für einige Küchenchefs unfair sein, das tut mir auch leid. Doch, auch wenn der Chef ein noch so exzellenter Magier ist und sein Handwerk versteht, die Speisekarte aber absolut lieblos und unkreativ ist, dann startet das Experiment bereits mit einem Minuspunkt.

Ich verstehe, dass gerade in Lokalen mit hohem Publikums-Verkehr die Speisekarten täglich durch Hunderte von Händen gehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man die Spuren dieser unzähligen Hände auch auf jeder einzelnen Seite sehen muss. Für mich zählt nicht nur die Optik und die Aufmachung der Speisekarte, sondern auch deren Sauberkeit. Es ist doch nicht zu viel verlangt, sie immer wieder zwischendurch mit einem Lappen und etwas Glasreiniger oder Hygienereiniger abzuwischen. Servicekräfte, denkt doch auch an eure eigene Gesundheit, ihr müsst die Karten noch viel, viel öfter anlangen als eure Gäste.

Daher haltet sie täglich sauber. Ihr sorgt damit auch gleich für ein viel besseres Bild bei euren Gästen.

Kreative Speisekarten sind voi genial

Dann wurde sie also gereicht, die Speisekarte, gefüllt mit allen Köstlichkeiten, die das Lokal zu bieten hat. Ich freue mich immer, wenn die Karte nicht nur sauber ist, sondern auch gut in der Hand liegt. Persönlich finde ich kreative Karten absolut top, doch müssen sie auch hochwertig sein, und absolut dem Charakter des jeweiligen Betriebs entsprechen. Auch wenn es sich um eine hippe, vegane Imbissbude handelt, ich bin kein Fan dieser simplen Klemmbretter mit nur einem Zettel, auf dem in Handschrift die Tagesgerichte vermerkt sind.

Ich liebe schön gebundene Speisekarten, die einfach einladend aussehen und Lust auf mehr machen. Jedes Gasthaus, jedes Restaurant und auch jeder hippe Imbiss sollte einfach bedenken, dass es sich bei der Speisekarte um den ersten Eindruck handelt, den man vermittelt. Und für diesen gibt es bekanntlich ja keine zweite Chance. Also vermasselt es nicht und legt wert auf eine schöne, edle, elegante, kreative oder außergewöhnliche Speisekarte.

Nett finde ich es auch, wenn auf der ersten Seite eine kleine persönliche Geschichte der Wirtsleute zu finden ist. Dies ist in meinen Augen eine super Information, wenn man erfährt, mit welcher Motivation dieses Lokal eröffnet wurde. Auch ist es spannend zu erfahren, wer nun in der Küche in wenigen Minuten die Köstlichkeiten zaubern wird, die ich mir aus der Karte ausgesucht habe.

Speisekarten mit Schreibmaschine? Ein NoGo!

Eine Enttäuschung sind für mich auch immer Speisekarten, die heute noch wirken, als wären sie mit der Schreibmaschine lieblos abgetippt worden. Heutzutage gibt es so tolle Programme und niemand muss sich so lieblos präsentieren. Wenn diese Zettel dann auch noch in billigen Plastikhüllen stecken, dann hat das Ganze den Charme eines China-Restaurants aus den 1980-er Jahren. Und nichts gegen Chinarestaurants, die liebe ich, jedoch waren ihre Speisekarten in ganz Europa gleich, lieblos und ohne jegliche kreativen Ambitionen.

Dann kommt es zum spannenden Teil, dem tatsächlichen Inhalt der Speisekarte. Nun wird verraten, womit man mir in Kürze das Leben versüßen möchte und wie man mich kulinarisch verführen will. Ich liebe eine große Auswahl, doch will ich auch nicht überfordert werden. Kein Mensch kann sich zwischen 30 Salaten, 20 Suppen und noch einmal so vielen Vorspeisen entscheiden. Zudem ist es für mich wichtig, dass die Karte schön gegliedert ist.

Ich möchte, oder besser gesagt ich erwarte, dass die Karte auch wirklich so aufgebaut ist, wie ich später mein Menü oder zumindest meine einzelnen Gänge zusammenstellen will.

Kulinarische Reise

Eine Speisekarte sollte für mich, genau wie ein Buch, einen roten Faden haben. Man setzt sich hin, nimmt die Karte und begibt sich auf eine kulinarische Reise. Und genau dies sollte strukturiert möglich sein. Ich will nicht dann auf Seite fünf plötzlich noch eine spannend klingende Suppe finden, nur weil diese zu den regionalen Angeboten zählt, die dort notiert sind. Das erschwert mir und auch jedem anderen Gast die Auswahl. Wir Gäste sind einfach leicht zu verwirren und zu verführen. Daher sollte die Speisekarte übersichtlich und chronologisch geführt sein.

Sehr nett finde ich persönlich auch kleine Getränkeempfehlungen abseits der Getränkekarte. Das ist jedoch vielleicht mein persönlicher Geschmack. Ich finde es aber toll, wenn mit ein spezielle Signature Drink zu einem Gang empfohlen wird.

 

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